Es geht auch anders – Es geht auch ohne Fleisch

Immer sind es die Glaubenssätze und Verhaltensmuster, die uns an alte Vorgehensweisen und Betrachtungen binden. Erfreulicherweise stellt man in dieser Zeit allerdings fest, dass diese Mauer bröckelt und Menschen wach werden. Sie fangen an sich umzuschauen um einen besseren Blick für die Dinge zu bekommen. Auch gibt es schon viele mutige Menschen, die Althergebrachtes hinterfragen. Das ist nicht immer bequem und verursacht Aufmerksamkeit, denn sofort begeben sie sich gegen den Strom des Massenbewusstseins. Stimmen sind zu vernehmen, die einen mahnen, sich doch gefälligst wieder einzureihen, weil befürchtet wird, die Ordnung sei gefährdet. Diese Ordnung, die einen doch so warm und vertraut umgibt. Schweine wachsen auch in einer vertrauten Umgebung auf, die meistens unvorstellbar grausam ist und würden diese wahrscheinlich freiwillig nicht verlassen –

Ist es dann einmal gelungen einen Blick zu werfen, rüber über die Begrenzung, mag man Dinge zu sehen bekommen, deren Existenz noch nicht einmal in unserer Phantasie denkbar erscheinen. Diese Dinge sind nicht weit weg, gleich hinter der Begrenzung, dem Zaun, hinter dem wir uns so wohl behütet vorkommen.

Na ja, ganz so ist es ja nicht, mag man da vernehmen, es wird schon so viel für den Naturschutz getan. Große Protestwellen werden in Gang gebracht und plötzlich schieben die Bagger doch alles weg, weil ja möglichst schnell die Autobahn her muss. Na dann, gehen wir eben wieder hinter unseren Zaun, dort ist der Fernseher, die Flasche Bier, und die warmen Filzpantoffeln. Ist ja auch prima, wenn man gleich den Anschluss in der Nähe hat, dann geht’s ganz schnell ins Fußballstadion. Wenn man das mal hautnah und längere Zeit lang erlebt, das Eingreifen der riesigen Eisenteile in die Natur und einem dabei bewusst wird, was passiert, schnürt es einem den Hals zu, die Tränen steigen unweigerlich hoch und es entsteht ein heftiger Würgereiz. Nur auf einem Quadratmeter werden viele Welten zerstört. Dort haben Ameisen ihr Zuhause, Käfer gehen ihrem Tagwerk nach und Erdwespen haben sich gerade ihr Nest gebaut. Der Feldhase kann gerade noch fliehen, seine zwei Kinder werden zerquetscht, die Kaninchenfamilie wird komplett getötet, wobei ihre Schreie von niemandem gehört werden, weil die Maschine doch so laut ist. Über die lustige Mäusefamilie denkt man kaum nach, das sind sowieso Schädlinge, so werden sie doch bezeichnet.

Wie lange dauert es denn noch mit dem Weltfrieden, das wäre so einfach, braucht doch bloß keiner mehr zu schießen. Endlich Ruhe, endlich Frieden. Diese Wünsche sind so alt wie unsere Geschichtsbücher. Warum geht das nicht?

Ich behaupte, dass es geht und sogar ganz einfach ist. Da gibt es etwas in uns, das man Herz nennt. Es ist nicht das Organ, dem man nachsagt, dass es unser Blut durch den Köper pumpt. Es ist das, was einen das Glücksgefühl wahrnehmen lässt, es ist das, was einem die besten Botschaften bringt. Wenn man dieses wunderbare Herz fragt, was auch immer, wird man Antworten erhalten. Das allerdings will geübt sein, denn die Sprache des Herzens ist sanft, unspektakulär und leise. Die Botschaften von dort schweben herab wie Schneeflocken. Aber wenn man es wirklich möchte, kann man sie sofort vernehmen. Und dann kommt Freude auf und vieles wird sich ändern. Es offenbart sich ein neuer Weg, der ist so schön, dass man ihn kaum mehr verlassen kann. Nun könnte man fragen, was hat all das mit fleischlos zu tun?

Ganz einfach, es muss kein Tier getötet werden, damit Essen auf dem Tisch steht, wodurch eine große Herzenssehnsucht erfüllt wird, nämlich die nach Frieden und Glück. Denn haben wir erst einmal unserem Herzen gestattet, seine Meinung mit in unseren Tagesablauf einzubeziehen, gibt es kein Glücksempfinden, wenn uns bewusst ist, dass wir die Tötung von Tieren verursachen, nur weil wir deren Körper essen wollen. So, nun bin ich beim Thema Essen.

Warum essen wir? Diese Frage klingt im ersten Moment überflüssig. Wir müssen doch satt werden, wir müssen uns doch ernähren, sonst würden wir verhungern. Das ist richtig. Man könnte diese Frage erweitern, durch fragen, wie viel Bedeutung wird dieser Notwendigkeit bei gemessen.

Selbstverständlich machen wir viel für Äußerlichkeiten, die uns umgeben. Wir duschen, wir kleiden uns so gut wir können um uns wohl zu fühlen. Wir pflegen unser Zuhause, putzen möglichst bis in die Ecken. Dann richten wir unseren Garten her, damit wir uns daran erfreuen können und damit der Nachbar zufrieden ist und ja nichts zu monieren hat. Der schicke Wagen in der Garage muss gepflegt sein, sonst hätten wir uns ja keinen solchen kaufen müssen. Die monatlichen Raten dafür quälen uns spürbar, dann soll er uns wenigstens erfreuen, was nur geht, wenn er gut aussieht. Wir begeben uns zum Sport, zum Shoppen, zur Kosmetik, die Kinder gehen zum Reiten, zum Tennis, zum Musikunterricht und zur Uni. Das alles ist teuer. Ein normales Gehalt reicht dafür wahrscheinlich niemals, sodass permanenter Mangel herrscht. Mal wieder essen gehen wünschen wir uns oft, aber das geht gerade nicht, da ist ja der Termin und die Waschmaschine ist kaputt und muss neu angeschafft werden, wodurch das Geld knapp ist. Also schnell wieder zum Discounter, denn der Hunger meldet sich, natürlich auch bei den Kindern und dem Partner. Das ist alles gar nicht so einfach, besonders wenn so ein Gefüge besteht und das Hamsterrad sich dreht. Froh ist man, wenn abends alle satt sind und im Hause Ruhe einkehrt. Zum Glück gibt’s den Fernseher, da kann man ja abschalten, dazu ein nettes Glas Wein, dann geht’s schon und das Leben ist schön. Die Kinder haben ihren PC, seitdem nerven sie kaum noch, es herrscht Ruhe. Die Menge der Horrorbotschaften aus den Medien muss man über sich ergehen lassen, denn informiert sein gehört dazu, sonst kann man ja nicht mitreden. Gut, dass wir gesund sind, das ist ja das Wichtigste. Zum Glück trifft es ja nur die Anderen, das mit dem Krebs, der Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen und Demenz. Besser nicht dran denken. Ändern kann man ja sowieso nichts, oder wie sollte man das wohl machen?

Wie ist es denn mit der eigenen Wertschätzung, mit der Wahrnehmung für sich selber. Da gibt es auch den Begriff Eigenliebe, das klingt ja schon fast unanständig, denn das ist doch Egoismus. Irgendwann kehrt die Erkenntnis ein, dass man etwas ändern möchte. Vielleicht auch erst im nächsten Leben.

Diese Erkenntnis kann der Wendepunkt sein, worauf die Frage entsteht: „Was will ich“? Oh, habe ich da „ich“ gehört? Komme ich denn überhaupt vor? Wichtig sind doch erst mal die Anderen, für die ich Verantwortung trage. Genau richtig, ich trage Verantwortung und die habe ich erst einmal für mich wahrzunehmen, nicht nur für meine sauberen Schuhe, denn die kann ich nicht mehr putzen wenn der Deckel auf die Kiste kommt in der ich plötzlich liege.

Jetzt fängt es an Spaß zu machen, denn ein neues Denken wird einsetzen, weil man von dieser Gedankenspur nicht mehr loskommt, weil plötzlich ganz viele unbeachtete Puzzlestückchen zusammen passen. „Was ist mit mir“? Diese Frage ist für mich so sehr wichtig, weil nur ich, ganz allein ich, diese Frage beantworten und beeinflussen kann. Das ist also der Anfang. „Was bin ich mir wert“? Wie wäre es denn mit schönem Essen, essen das mir Freude bringen soll? Wie kann essen mir denn Freude bereiten? Diese Frage bekomme ich erst beantwortet, wenn ich herausgefunden habe, wodurch Essen mir Gutes tut.

Hier kommt dann wieder das Herz ins Spiel, das wir natürlich inzwischen zu allem fragen, was uns wichtig erscheint und wir haben gelernt wie wunderbar die Antworten sind, die sich da plötzlich einfinden. Immer mehr stellen wir fest, wie sehr wir selber, jeder für sich, Mittelpunkt seines eigenen Lebens ist. Immer mehr gewinnt die Frage an Bedeutung: „Was will ich“?

Wie ich in den Wald hineinrufe, so schallt es heraus. Oder, wie ich meinen Körper, also auch mich, behandle, so drückt er sich aus. Ja, das ist doch logisch und wir wissen es schon lange. Aber Gegenstand unseres täglichen Bewusstseins war es noch nicht. Aber das ändert sich nun. Dann kriegt die Tatsache eine enorme Bedeutung: Wenn ich den Tod eines anderen Wesens verursache, weil ich es essen will, was macht das dann mit mir?

Da wird die Antwort aus unserem Herzen erst mal recht ernüchternd und völlig klar. Nun sehe ich auf einmal die Augen dieses Tieres vor mir, wenn es noch lebt, und ganz genau weiß, dass es nun getötet wird. Darin ist noch nicht einmal Hass zu entdecken, zwar mit Angst erfüllt, schauen einen diese Augen trotzdem noch liebevoll an. Oh Mann, dieser Herzensraum, der offenbart einem die Wahrheit. Wie fühle ich mich nun dabei? Dieses Tier hätte doch noch so gern die Anwesendheit auf diesem wunderbaren Planeten genießen wollen, sich aller Dinge erfreuen wollen, die uns so umgeben. Vielleicht ist es ja deswegen ganz gut, dass viele Schlachttiere all das nie wahrnehmen durften. Den Gesang der Vögel, den Geschmack frischen, grünen Grases, den erfrischenden Regen auf der Haut, oder die wärmenden, liebenden Strahlen unserer wunderbaren Sonne. Oder gar die zärtliche Hand eines Menschen, den es doch so sehr liebt und verehrt, nach dessen aufmerksamer Berührung es sich so sehr sehnt.

Ob es wohl auch, wie wir, ein Recht dazu hat? Oder haben wir ein Recht dazu seinen Körper zu schänden, um ihn zu verzehren? Ach wie gut, dass wir unser Herz haben, das beantwortet diese Frage sofort.

Liebe, Wertschätzung und Respekt für uns selber und für die Anderen, eben auch für die anderen Mitbewohner dieses wunderschönen Planeten. Es gibt da eins der sieben kosmischen Gesetze, das da besagt, wie im Kleinen, so auch im Großen.

Kochen macht Spaß, kochen führt die Familie zusammen, denn alle werden es zu schätzen wissen, wenn aus der Küche wunderbare Gerüche strömen. Dann kommt einem die Lust am Essen wieder ins Bewusstsein. Durch die Früchte, die liebevoll erzeugt wurden, während ihre Wurzeln reines Wasser aufnehmen durften und Nährstoffe, die reichlich im Schoße unser Mutter Erde vorhanden sind. Wobei die Sonne den Geschmack dazu gab, weil die Pflanzen reif werden konnten.

Christof Hein Institut für Bewusstseinsentwicklung e.V.